Thursday, May 20, 2010

Visum

Ich bin begeistert von der mexikanischen Bürokratie: Nach nur 3 Wochen und 2 mal Termin verschieben habe ich endlich mein Inmigrante Visum (heißt FM2), mit dem ich offiziell in Mexiko angemeldet bin und auch arbeiten darf. Das muss ich zwar jedes Jahr erneuern, aber kein Problem. Auch andere gute Neuigkeiten gibts: Ich fange am Montag an der Uni an zu arbeiten, dort übernehme ich die letzten Stunden eines Deutschkurses für eine Lehrerin, die keine Zeit mehr dafür hat. Und mein Vertrag mit Hewlett Packard wird gerade fertiggestellt, bei denen gebe ich die nächsten 2 Jahre Englishunterricht. Sehr cool

So, das war mein kleines Update, ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen, ich hatte so ein Methodentraining, sehr langweilig, da ich das schon 3 Jahre im Studium hatte, aber egal.Ich muss auch morgen nicht hin, weil ich mich tierisch langweile und alle Fragen beantworten kann *streb*

Ich hoffe euch gehts gut,

liebe Grüße und Küsse an alle

Saturday, May 8, 2010

Saltillo

Hallo ihr

ich bin seit Donnerstag jetzt in Saltillo, das ist eine, im Vergleich zu Monterrey, kleine verschlafene Stadt (mit nur 600.000 Einwohnern), zu Besuch bei meiner Freundin Vicky, ihrem deutschen Freund und deren deutschem Mitbewohner. Es ist schön hier, ruhiger und etwas angenehmere Temparatur als in Monterrey, wo gestern so 44°C waren (hier nur 38°C).
Heute war ich mit Vicky in einem Temazcal, das ist ein indianisches Dampfbad. Es ist eine reine Frauen-Sache (es gibt auch gemischte, aber traditionellerweise ist es geschlechtergetrennt) und sehr spirituell. Zu allererst gab es eine faszinierende Ganzkörpermassage von einer Frau, die ungefähr Gilas Größe und Statur hatte. Diese Frau hat zuerst meine Verspannungen in den Schultern und meinem Hals perfekt gelöst und dann meine Füße gepackt und sich mit einem Murmeln auf den Tisch gehoben, mit einem Fuß auf meinen unteren Rücken gestellt und mit dem anderen Fuß meine Wirbelsäule und meine Schulterblätter krachen lassen. Sehr seltsam aber SO GUT! Dann hob sie meine Füße noch einmal und meinte dann: jetzt sind sie in Ordnung, dein eines Bein war kürzer als das andere.
Wow, das weiß ich schon lange und ich hatte auch Probleme beim länger gehen und in letzter Zeit auch beim stehen, aber jetzt sind alle Schmerzen weg und ich stehe und sitze gerader!!! Bin begeistert!
Dann hat sie meinen Kopf in die Hände genommen und zu einer Seite krachen lassen (ich dachte "Bitte bitte nicht mein Genick brechen, ich will leben :D) und dann auf der anderen Seite krachen lassen. Und siehe da, die Verspannung die ich mir vorgestern bei einer falsch gemachten Sportübung geholt hatte war weg. GENIAL.
Danach geht dann das eigentliche zeremonielle Dampfbad los. Zuerst stellt man sich gerade mit den Armen ausgebreitet hin und wird von einer der Frauen mit Rauch "gereinigt", von vorne und dann (vorsicht: nur im Uhrzeigersinn drehen!!) von hinten. Dann nimmt man ein wenig der Kräuter und geht, wieder links, einmal um das Feuer und bietet diese Gabe dem Feuer an, mit einem Wunsch oder einer Danksagung. Dann muss man die Schuhe ausziehen und auf den Knien in den Ton-Iglu eintreten und dabei "por todas mis relaciones" sagen. (Etwa "alles was mit mir verbunden ist"). Dann setzt man sich im Schneidersitz um das Loch in der Mitte des Iglus (natürlich geht man links um die Grube herum). Anschließend werden heiße Steine aus dem Feuer mit zwei Geweihen getragen, in das Loch in der Mitte gelegt und mit Kräutern bestreut. Alle Ausgänge werden mit Decken verhängt, so dass es dunkel ist. Die Frauen, die die Zeremonie leiten erzählen dann, um was es bei der Tradition des Temazcal geht: reinigung des Körpers und des Geistes, Danksagung an die Mutter Erde und die Geister der Elemente der Welt, die die Steine repräsentieren (Abolitas, glaube ich). Aus einem Eimer wird im Anschluß daran Wasser über die Steine geschüttet, bis man das Gefühl hat, man wird selbst von Wasser übergossen. Die Frauen stimmen in Nahuatl (mexikanische Aztekensprache) einen Gesang an, in dem die Mutter Erde angerufen und die Geister der Elemente gepriesen werden. Dann sagt jeder im Kreis, wofür er dankbar ist, oder was er sich erhofft zu erreichen, oder einfach nur "por todas mis relaciones". Anschließend sagen alle gemeinsam in Nahuatl etwas und dann etwas das "Reinige mich" heißt und "Puerta", also Tür, und die Tür wird geöffnet. Es werden Limetten mit Rohrrohzucker links im Kreis herum gereicht, mit denen man sich dann den gesamten Körper eincremt, sozusagen ein Säure-Zucker Peeling. Dann wird der zweite Aufguss vorbereitet. Es kommen mehr Steine und Kräuter in das Loch in der Mitte, dann werden die Türen geschlossen. Das Wasser wird über die Steine gegossen. Die Frauen stimmen wieder einen Gesang in Nahuatl an, danach auch einmal in spanisch über die Macht und Schönheit der Natur. Sie erklären die Unwichtigkeit der Fixierung auf materielle Güter und die Wichtigkeit der Familie und der Natur. Dann singen alle gemeinsam (wenn man will) und sagen wieder die Worte in Nahuatl und "Puerta". Sie reichen ein Glas Wasser mit Limettensaft zum Trinken, dann werden die nächsten Steine in das Loch in der Mitte gebracht. Die Türen werden geschlossen. Eine der Frauen erzählte von der immer währenden Präsenz ihres verstorbenen Vaters und dem Kreislauf des Lebens, und dass man sich auf seine Sterblichkeit vorbereiten muss, und sich dessen bewusst sein soll, dass man die Welt seinen Kindern überlässt, und das Glück und Leiden, eine Mutter in unserer Welt zu sein. Dann wird ein weiterer Gesang angestimmt und wieder ein Aufguss gemacht. im Anschluss werden wieder die Nahuatl-Worte gesprochen und "Puerta" gesagt. Die Türen werden geöffnet. Die Frauen reichen (links um das Loch in der Mitte) Aloe-Vera Fruchtfleisch, mit dem man sich einreibt, um die Haut zu reinigen, schützen und entspannen (schleimige Angelegenheit). Die nächsten Steine werden in das Loch gelegt und mit Kräutern bestreut, die Türen geschlossen, und der letzte Aufguss bereitet und ein neuer Gesang angestimmt. Ein Gesang auf Spanisch über den Wandel der Welt und das Leben, in etwa "alles ist im Wandel, lass es uns einen guten Wandel machen". Das ist eigentlich der letzte Aufguss, aber es müssen alle Steine aus dem Feuer im Temazcal sein, deshalb haben sie einen extra- Aufguss gemacht, mit den letzten sieben Steinen oben auf. Der war hart, sehr heiß und schwer zu atmen. Aber danach fühlt man sich gut. Man verlässt das Temazcal kniend und sagt "por todas mis relaciones". Draußen stellen sich alle in einem Kreis um das Feuer und bei jeder Frau, die man passiert, bedankt man sich, oder beglückwünscht sich. Dann nimmt jeder noch eine Handvoll Kräuter und wirft sie als Dank in das letzte bisschen Feuer.
Krasse Erfahrung! Will ich auf jeden Fall wieder machen!! und: Gila, wenn ihr mich besuchen kommst, müssen wir das machen, ich bin sicher, es gefällt dir!! Renata, Lotti und Marjana: ihr auch ;)
Bernd: leider kann ich dir nciht sagen, wie das Männer Temazcal ist, aber wenn es nur halb so cool ist wie das Frauen Temazcal, wird es dir auch gefallen.
Alle anderen, die mich besuchen kommen: ihr müsst auch, nur verspreche ich nicht, dass es euch gefällt hehehe
Man schwitzt jedenfalls so viel, dass man glaubt, man hat mindestens 3 Kilo abgenommen :D Und man fühlt sich so richtig sauber also von innen und außen
Es kostet nur 100 Pesos pro Person,0 so 7 Euro und dauert 2 Stunden

So, dass war mal das spannendste, was ich in den letzten Wochen so gemacht habe, riiiichtig genial.
Ich hoffe der Bericht hat euch auch ein gutes Bild von der Atmosphäre gegeben, es ist lange nciht so seltsam, wie es sich anhört, es ist mehr ein Gefühl der inneren Ruhe, das man bekommt, man muss nicht irgendwelche Geister oder Götter anbeten, sich nur darüber bewusst werden, was man will und wer man ist. Und das klappt ganz gut :) bin zufrieden und glücklich
Ich hab euch alle lieb, fühlt euch aus der Ferne gedrückt und macht etwas aus eurem Tag :)